Interviews gab es photoholik.de noch nie, deshalb kommt jetzt das erste! Fashion- und Beauty Fotograf Michael Gelfert (Portfolio I Blog) im Gespräch über die verschiedensten Einsätze von Licht.
Hallo Michael!
Erstmal Vielen Dank, dass du einem Interview zugestimmt hast. Stell dich doch mal in ein paar Sätzen vor und erzähle was du so machst.
Keine Ursache.
Ich bin People-Fotograf mit den Schwerpunkten Fashion & Beauty.
Im Mittelpunkt meiner Arbeit steht der gezielte und kontrollierte Einsatz von Licht.
Deshalb trägt mein Blog auch den Namen Licht(in)former. Das entstand während der Arbeit an meinem Buch “Fashion-Fotografie” und ist deshalb quasi die Erweiterung dessen. Man findet dort Lichtsettings, Tipps für Modelle und Fotografen und den ein oder anderen “Profi-Tipp”.
Aktuell arbeite ich in meinem eigenen Studio in Darmstadt, aber möglicherweise ändert sich mein Wohn- und Arbeitsort demnächst. Das ist leider alles noch sehr ungewiss… Deshalb kann ich derzeit leider doch keine Workshops anbieten, Einzel- oder Zweiercoachings sind aber noch möglich.
Der kontrollierte Einsatz von Licht also. In deinem Portfolio sind ein paar sehr interessante Lichtsetups verwirklicht. Wie bist du auf die Idee gekommen, nicht nur Blitze zum Aufhellen, sondern auch als Gegenlicht und vor allem in ausgefalleneren Farben als die meisten Fotografen zu verwenden?
Ich habe beide Ideen (leider) sicher nicht als Erster und Einziger gehabt. Aber allgemein versuche ich als Kreativer natürlich immer, entweder neue Ideen zu entwickeln oder bekannte auf neue Weise zu interpretieren. Schlichtes Nachmachen ist wenig reizvoll.
Da ich wie gesagt viel Wert auf das Licht lege, ist das auch immer einer der ersten Punkte, an dem meine Kreativität ansetzt. Wenn man sich die verschiedenen Eigenschaften von Licht vor Augen führt, weiß man, an welchen Punkten man variieren kann.
Der Prozess läuft bei mir oft so ab: Was kann man anders machen, was spricht dagegen und wie kann man diese Widrigkeiten umgehen?
Alles, was man dann noch braucht, ist das richtige Material und/oder Improvisationstalent.
Ich bin kein großer Fan von “Standardsetups”, die man regelmäßig verwendet. Man braucht zwar solche Settings, die verlässlich funktionieren, wenn die Zeit knapp ist oder mal was schief geht. Viel lieber ist es mir aber, immer wieder was neues zu probieren – und meine Erfolgsquote dabei ist erfreulicherweise SEHR hoch.
Allerdings! Wie hältst du es mit der Bearbeitung? Nimmst du dir von Anfang an vor das Bild so perfekt wie möglich zu machen um kaum nachbearbeiten zu müssen oder denkst du dir schon während dem Shooting aus, was du so alles bearbeitest? Ich könnte mir vorstellen, dass es gerade mit komplizierten Setups mit Gegenlicht schwierig ist alles nahezu perfekt einzufangen.
Nein, eigentlich sind die “komplizierten”/aufwendigen Sets oft sogar einfacher.
Da schaffe ich einen artifiziellen, kontrastreichen Look ja schon mit dem Licht und brauche gar nicht viel Bearbeitung um ein überzeugendes Ergebnis zu bekommen.
Außerdem kommt man normalerweise nicht ans Set und sagt “Hey, lasst uns 7 Blitze im Set verbraten!”
Man beabsichtigt viel eher ein bestimmtes Ergebnis und baut dazu nach und nach das auf, was man dafür braucht.
Natürlich ist sorgfältiges Arbeiten Pflicht.
Ich nutze immer einen Belichtungsmesser, fast immer eine Graukarte (zum späteren Weißabgleich im RAW) und achte auch auf kleinste Details. Ein guter Fashion-/Beauty-Fotograf muß wohl immer auch zum großen Teil Perfektionist sein – zumindest bei seiner Arbeit. Unterstützt werde ich dabei natürlich von meinem Team.
Deine Ausgangsfrage möchte ich also mit einem Zitat von Scott Kelby beantworten: “We’re not fixing it in Photoshop, we are finishing it in Photoshop.” Nur ein optimal aufgenommenes Bild gibt mir ein optimales Endergebnis. Vor allem, da in meinem Job auch Zeit Geld ist.
Zu diesem Finish gehört bei mir, neben der obligatorischen Beauty-Retusche, meistens eine Kontrastbearbeitung und ein Farblook (zu letzterem gibt’s auch einen Artikel auf meinem Blog).
Benutzt du ausschließlich Blitzlicht für deine Arbeiten oder teilweiße auch Dauerlicht bzw. Available Light? Was hältst du für sinnvoller und warum?
Ich bin ein großer Fan von Blitzlicht in der People-Fotografie. Vor allem wegen der vielfältigen Möglichkeiten der Lichtformung und der totalen Kontrolle über diesen wichtigen Aspekt (Licht).
Dauerlicht als alleinige Lichtquelle kommt bei mir (bisher) praktisch nicht vor. Dauerlicht ist i.d.R. viel schwächer und energiehungriger als Blitzlicht und bringt mit der Hitzeentwicklung enorme Probleme mit sich. Lampen, die anders sind, haben meiner Erfahrung nach entweder kein gutes Farbspektrum oder sind mindestens genauso teuer wie Blitze (HMI-Licht zum Beispiel).
Dauer- oder natürliches Licht ist aber manchmal ein zusätzliches Element in meinen Fotos, vor allem bei der Arbeit on Location. Das ist auch ein Aspekt, bei dem ich mir vorstellen kann, in Zukunft noch mehr zu experimentieren – auch im Studio.
Wie stark welche Lichtquelle das Bild letztlich beeinflusst, hängt von der Art des gewünschten Bildergebnisses und dem Stil des Fotografen ab. Ich arbeite schon sehr gern mit Blitzlicht. Bei High Fashion-Aufnahmen hat das Blitzlicht aber i.d.R. mehr Einfluss auf den Bildlook als z.B. bei Lifestyle-Aufnahmen. Bei letzteren kann es auch vorkommen, daß ich nur mit natürlichem Licht mit oder ohne Reflektoren arbeite.
Noch eine letzte Frage, die vielleicht gerade für Amateure oder Semi-Profis interressant sein könnte: Woher kommt dein kreativer Input, gerade beim Thema Lichtsetup? Machst du dir im Vorfeld schon ganz genau Gedanken darüber, wo welcher Blitz mit welcher Farbe stehen wird oder entscheidest du das letztendlich erst spontan beim Shooting, probierst evtl. auch erst mal aus?
Das ist in der Tat sehr unterschiedlich.
Manchmal kommt die Lichtidee zusammen mit dem Motiv. Dann stehen Thema, Hintergrund etc. schon fest, sind aber vll. noch wenig originell, z.B. wenn ich ein “klassisches” oder “bekanntes” Motiv fotografieren möchte. Dann liegt der Reiz für mich oft darin, ein dennoch spannendes Foto zu machen, in dem ich das Licht bzw. die Schatten ungewohnt einsetze.
Es kommt auch vor, daß mir Lichtsetups oder -variationen spontan einfallen. Oft passiert das z.B. beim Ansehen von Making of-Fotos oder -Videobeiträgen. Damit meine ich nur die Inspiration oder ein Denkanstoss, der von der gewohnten Sicht wegweist. Ich meine nicht 1:1-Kopieren von Lichtsetups.
In beiden Fällen ist das Setup also vorher “geplant” und steht schon vor dem Shooting fest.
Es ist aber auch oft so, daß ich ein Setup spontan im Studio, kurz vor Shootingbeginn bzw. während des Umkleidens / Umschminkens entwickle oder weiterentwickle. Inspiriert werde ich da oft vom Outfit, dem Posing des Models oder der Szenerie. Oft bespreche und entwickle ich das dann zusammen mit meinem Assistenten. Ich lege viel Wert auf eine zweite Sichtweise. Entscheiden muß man sich aber letztlich selbst.
Ganz wichtig ist aber: Kein Setting ist von vornherein in Stein gemeisselt! Alle Details werden im Shooting entwickelt und ausprobiert, wenn was nicht klappt wie erhofft auch improvisiert, verändert oder ganz verworfen. Das betrifft alle Aspekte: Position, Richtung, Lichtformer, Farbe, Entfernung, Härte, Stärke und Anzahl der Lichtquellen.

Vielen Dank für den kleinen Einblick in die Welt der Lichtsetups eines Profifotografen und weiterhin viel Erfolg mit deinen Arbeiten und für die Zukunft!






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